SANSKRIT FÜR DUMMIES – LERNEN LEICHT GEMACHT

Ich vermute, dass jeder, der mit dem Gedanken spielt, eine Yogalehrerausbildung zu machen, vor einer Sache unheimlichen Respekt hat: Sanskrit. Ganz ehrlich, wenn wir schon dabei sind, meine 3 großen Sorgen vor der Ausbildung waren:

  1. Werde ich meine Prüfungsangst in den Griff bekommen?
  2. Schaffe ich es, mich auch in die Yoga Anatomie einzufuchsen und am Ende mehr als nur Muskeln und Knochen auseinanderzuhalten?
  3. Wird mein Hirn jemals all die Bezeichnungen auf Sanskrit (von denen ich teilweise nicht mal weiß, wie man sie überhaupt aussprechen soll) abspeichern können?

Ihr müsst wissen: ich bin echt absolut kein Prüfungstyp, weshalb ich ehrlich gesagt im Vorfeld schon ein bisschen Bammel hatte. Ich kann mich gut verbrezeln, mein Interesse am Yoga ist ne 10/10, aber wenn’s um Prüfungssituationen geht, ist mein Hirn leider oft „out of order“. Ich hatte die Sorge, dass mein Traum einzig und allein daran scheitert, dass ich all die Begriffe durcheinander würfle und ein Blackout in der Prüfung habe.Ich konnte vor dem Yoga Teacher Training einfach nicht abschätzen, wie umfangreich die Prüfung am Ende meines Moduls ausfallen würde und ob ich alle Lehrinhalte dann auch wirklich parat hätte, wenn’s drauf ankommt…

DER UNTERRICHT IM YTT 200

Es stellte sich heraus (wie so oft übrigens in meinem Leben), dass ich mich mal wieder völlig umsonst bekloppt gemacht habe. Denn im Endeffekt war alles gar nicht so schlimm wie befürchtet. Ich glaube, man darf zwei entscheidende Dinge nicht vergessen: nämlich, dass diese Yogalehrerausbildung etwas ist, das man GERNE und aus eigenem Interesse heraus tut (sprich: es ist ein ganz anderes Lernen als damals in der Schule) und zweitens dort nur Lehrer sind, die einen total unterstützen und das Beste für einen wollen. Zwei Punkte, die ich in meiner Vergangenheit bedauerlicherweise anders erfahren habe und die mir jetzt eine wunderschöne neue Erfahrung des Lernens, Entdeckens, Ausprobierens und gemeinschaftlichen Miteinanders geschenkt haben. Schon fast alleine dafür hat es sich gelohnt 😉

Es war großartig, in einem Klassenraum zu sitzen und mal nicht gelangweilt auf die Uhr zu gucken, um herauszufinden, wann die Stunde denn nun endlich vorbei‘ ist, aktiv am Unterricht teilzunehmen, fleißig mitzuschreiben und gar nicht zu merken, wie die Zeit verfliegt, weil einfach alles total interessant ist. Ja, man kann sagen, ich hab mich in meinem YTT 200 ziemlich „streberhaft“ benommen/gefühlt – zum allerersten Mal in meinem Leben. Ich konnte zum ersten Mal begreifen, wie sich Menschen fühlen, die etwas lernen dürfen, das sie WIRKLICH interessiert.

Auch in einer Gemeinschaft von Leuten zu sein, die alle das gleiche Interesse teilen, dich bei dem unterstützen, das du liebst und dir bedingungslos helfen, weil weder Neid noch Missgunst mitschwingen, war wirklich ein unbeschreiblich tolles Gefühl. SO muss Lernen und Unterrichten aussehen!

Das Klassenzimmer sah übrigens auch so gar nicht wie ein herkömmlicher Klassenraum aus: Tische und Bänke? Fehlanzeige! Wir saßen auf unseren Yogamatten während des Unterrichts, konnten nebenbei leckeren Tee trinken, es gab Kuscheldecken und Meditationskissen für mehr Gemütlichkeit sowie mit indischen Tüchern geschmückte Wände und einen kleinen Altar sowie Kerzen und Räucherstäbchen. Zudem wurde jede Unterrichtsstunde mit einem Om begonnen wie auch abgeschlossen, was ich ein sehr schönes Ritual zum geistigen Sammeln und Konzentrieren fand.

 

LERNTIPPS FÜR DAS YOGA TEACHER TRAINING

Wie in meiner Überschrift ja schon groß angekündigt, möchte ich heute meine Lernstrategien mit euch teilen. Ich war noch nie der Typ für stupides Auswendiglernen und hab mir für das Yoga Teacher Training dann so meine eigenen Strategien überlegt, die zum Glück auch recht gut funktioniert haben. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich im Vorfeld ungefähr jedes Yogabuch dieses Planeten gelesen habe und natürlich auch eh immer schön regelmäßig ins Yogastudio tingle. Zur Vorbereitung auf das YTT 200 hab ich das dann noch ein bisschen „optimiert“:  Ich habe angefangen, in verschiedene Yogastudios zu gehen und auch bei unterschiedlichen Yogalehrern Kurse zu besuchen. Ich glaube einfach, dass man von jedem Yogalehrer etwas anderes lernen kann. Es gestaltet ja jeder seinen Unterricht individuell und davon wollte ich so gut es geht profitieren. Zum anderen habe ich meine Yogalehrer vor der Yoga Klasse immer gebeten, alle Asanas mit anzusagen (sowohl auf deutsch, als auch sanskrit). Diese Verbindung aus Hören und Machen hat mir unheimlich dabei geholfen, die Begriffe im Kopf zu behalten, quasi Lernen nebenbei.

Tipp: Sprich mit deinem Yogalehrer darüber, dass du auch gerade eine Ausbildung machst/planst. Meine Erfahrung ist, dass man dann verstärkt Hand-ons bekommt und der Lehrer genauer hinsieht, was man macht und einem hilft. So lernt man auch noch mal ne Menge dazu 🙂

Machen wir uns mal nichts vor: wenn man was zu Lernen hat, kommt man am klassischen Karteikarten schreiben nicht vorbei. So sahen meine Wochen vor dem Yoga Teacher Training tatsächlich auch aus: Karten schreiben und diese bei jeder Gelegenheit wiederholen. Quasi in jeder freien Ecke meiner Wohnung lagen Kärtchen oder klebten an Wänden und Schränken. Ich hatte zudem auch immer welche in der Handtasche, sodass ich sie dann bei Bahnfahrten oder wenn ich irgendwo warten musste wiederholen konnte.

Der nächste Lern-Tipp hat auch mit den Karteikärtchen zu tun. Es gab da so die ein oder andere Karte, die partout nicht in meinem Hirn ankommen wollte, egal wie oft ich sie wiederholt habe. Meine Lösung: ich habe mich dann mit Freunden getroffen und sie gebeten, mich mithilfe der Karten abzufragen. Das Gute: deine Freunde werden wahrscheinlich nicht so verkopft an die Sache gehen und auch keine tieferen Yoga-Vorkenntnisse haben – Jackpot! Denn so entstehen die besten Eselsbrücken: indem deine Freundin versucht einen Begriff auf Sanskrit auszusprechen, es verhaut und was anderes dabei raus kommt oder sie sagt „Ah! Das klingt ja fast wie XY!“ und zack hast du deine gedankliche Stütze und wirst es nicht mehr vergessen.

A propos Freunde: Mein lieber Freund Flo und ich haben uns mal einen Nachmittag hingesetzt und uns eine witzige Geschichte überlegt, die mir das Lernen der Rishikesh-Reihe (= die 12 Grundpositionen im Yoga) deutlich erleichtert hat. Ohne unsere Fantasiegeschichte hätte ich mir die Reihenfolge sowie zugehörigen Asanas nie so schnell merken können. Vielleicht ist das ja auch ne Idee für dich? So macht das Lernen Spaß und man behält es tatsächlich im Kopf.

Mein letzter Tipp: Sprachmemos! Sprich dir deine ausgedachten Geschichten oder Begriffe, die du dir schwer merken kannst aufs Handy und hör sie dir immer mal wieder an (in der Bahn, vor dem Einschlafen, beim Zähneputzen…) Ich hab mir Flos witzige Sprachaufnahme zur Rishikesh-Reihe gefühlte hundert Mal angehört, mich darüber amüsiert und somit ganz nebenbei alle Asanas gelernt. Wenn euch die Story interessiert, kann ich daraus gern mal nen Mini-Artikel zur Inspiration machen 😉

Hier noch mal alle Lernstrategien übersichtlich zusammengefasst:

  • In verschiedene Yogastudios gehen
  • Bitte Yogalehrer, während der Yogapraxis die Asanas anzusagen
  • Karteikarten schreiben
  • Freunde bitten, Sanskrit-Begriffe auszusprechen -> witzige Eselsbrücken
  • Verpack’s in ne Geschichte
  • Mach dir Sprachaufnahmen

Ich hoffe, ihr könnt den ein oder anderen Lerntipp für euer Yoga Teacher Training nutzen. Aber wie gesagt: macht euch einfach nicht verrückt, habt Spaß dabei und der Rest ergibt sich wirklich von alleine! Ihr werdet überrascht sein, wie intuitiv man vieles lernt, was man unterbewusst vielleicht auch sogar schon alles weiß und wie viel Freude das Lernen doch macht. Vielleicht habt ihr ja noch weitere Strategien, Tipps oder Ideen, die ihr mit mir/anderen angehenden Yogalehrern teilen mögt? Dann gerne her damit! Ich würde mich sehr freuen 🙂