Wie sagt man so schön? Über Geld spricht man nicht. Aber von Luft und Liebe können (und sollten!) Yogalehrer nun auch nicht leben – so viel steht fest. 😉 Ich werde recht häufig nach meinem Verdienst als Yogalehrerin gefragt, gerade von angehenden Yogalehrern / Frauen, die sich überlegen, eine Yogalehrer Ausbildung zu machen. Drum widme ich mich heute mal dem lieben Geld, über das man normalerweise nicht so öffentlich spricht (Warum eigentlich?!) und gebe euch ein paar Ratschläge zum Geld verdienen als Yogalehrer, die auf meinen persönlichen Erfahrungen basieren, mit an die Hand.

Der Income / Outcome Vergleich

Als Yogalehrer steckst du nicht nur viel Geld in deine Ausbildung selbst, sondern auch in Zusatzausbildungen, Weiterbildungen, Wochenendseminare, Fachliteratur oder Equipment für deine Stunden (z.B. hochwertige Duftöle,  Räucherstäbchen, eine vernünftige Soundanlage, Massageöle, Kerzen…).

Was der Yogaschüler am Ende sieht: etwa 15€, die er pro Stunde bezahlt und die viele schon als recht teuer wahrnehmen.

Was (leider die meisten) Yogaschüler nicht sehen: Als Yogalehrer arbeitet man ja nicht nur 60 / 75 oder 90 Minuten für sein Geld, sondern hat on top noch die Zeit für Stundenvorbereitungen, das Erstellen von Playlists sowie die Fahrtzeiten. Sprich: Wenn ich 60 Min. Yoga unterrichte, kommen on top Minimum noch 1h Anfahrt hinzu, und diese sogar teilweise für den einfachen Weg (ja, Berlin ist groß…) plus die Zeit, um vor der Stunde den Raum vorzubereiten und die Zeit, die man sich nach der Stunde noch für seine Schüler nimmt, um Fragen zu beantworten. Kaum ein Yogalehrer rollt direkt nach der Yogaklasse die Matte zusammen und sprintet aus dem Raum. Das heißt: 60 Minuten Yoga sind nicht gleich 60 Minuten Arbeit, sondern gern auch 3,5-4 Stunden. Darüber denkt man natürlich als Schüler nicht nach, was auch absolut verständlich ist. Für uns als Yogalehrer ist dies aber schon einen Gedanken wert, da wir gut mit unserer Zeit und auch unseren körperlichen Ressourcen kalkulieren müssen. Der Tag hat nur 24 Stunden und du möchtest von deinem Job schließlich ja auch leben.

Lange Rede, kurzer Sinn: teile dir deine Zeit und Ressourcen klug ein, damit du

  1. a) davon leben kannst,
  2. b) am Ende des Monats nicht total ausgebrannt bist von zu viel Unterrichten und
  3. c) du auch innerlich das Gefühl der Wertschätzung für deine Arbeit anhand deines Verdienstes erfährst.

„Vom Yoga kann man nicht leben“

… ist wohl eines der häufigsten Argumente von Yogastudioinhabern, die dich im Preis für deine Stunden drücken wollen. Fair enough, die müssen ja auch sehen, wo sie bleiben. Für dich ist wichtig zu wissen: kann man schon – wenn man es schlau anstellt und unternehmerisch denkt. Ich habe mich am Anfang auch auf ziemlich niedrige Preise / Deals eingelassen – was auch völlig in Ordnung ist. Wenn man frisch mit dem Unterrichten beginnt, ist man froh um jeden Job, den man ergattert. Man sammelt Erfahrungen beim Unterrichten und muss für sich dann mit der Zeit den eigenen Wert erkennen und sich diesen im nächsten Schritt auch einfordern.

Mein Rat: überlege dir gut, was dein Unterricht Wert ist. Was möchtest du damit verdienen? Wie möchtest du dich fühlen, wenn du auf deinen Kontostand guckst? Der direkte Vergleich: Wie fühlt es sich an, 130€ / h zu bekommen und wie, wenn man nur 10€ für’s Kommen bezahlt bekommt und anteilig 2,50€ pro Schüler? Und das für die gleiche wunderbare Leistung, die du erbringst, für all das Herzblut, das du in dein Unterrichten steckst, für den Zeitaufwand, den du hast.

Tipp 2: steige niemals zu niedrig ein in deinen Verhandlungen. Wenn du einmal zu niedrig ansetzt, sieht der Kunde später gar nicht die Notwendigkeit, dir plötzlich mehr zu bezahlen.

Tipp 3: Wenn du niedrig startest (weil z.B. das Studio für das du arbeitest noch ganz neu ist), lass dir zusichern, dass du nach xy Monaten noch mal nachverhandeln kannst, wenn das Studio besser läuft und du auf jeden Fall die Option bekommst, mehr zu verdienen.

Geld verdienen mit Yogaunterricht

Bezahlsysteme für Yogaunterricht

Ein paar Beispiele für Bezahlsysteme in Yogastudios, die ich in den vergangenen Jahren kennengelernt habe:

  • Einen pauschalen Festbetrag, den du immer bekommst, egal, wie viele Schüler in deiner Yogastunde sind
  • Einen fixen Betrag, den du bekommst für’s reine Kommen + pro Schüler einen Anteil on top
  • 50:50, sprich Alles, was eingenommen wird aus der Yogastunde geht zu 50% an dich und zu 50% an den Studioinhaber

Sonstige Bezahlsysteme für deinen Yogaunterricht:

  • „Paketpreise“: du bietest Kurse über xy Wochen an zu einem festen Paketpreis (z.B. Business Yoga Klassen in Firmen)
  • Den Business Yoga Preis festlegen: z.B. pauschal 10€ pro Person (je nach Teilnehmerzahl) + Anfahrtspauschale oder z.B. 130 € pauschal, egal, wie viele Mitarbeiter teilnehmen. Das klingt erstmal nach viel Geld, aber schon mal dran gedacht, dass Firmen das auch wieder absetzen können? 😉
  • Yoga als Privatunterricht zu Hause: fester Stundensatz (z.B. zwischen 75 und 130€/h) oder du bietest auch hier Rabatte an, wenn die Person dich regelmäßig buchen möchte (1h gratis, bei xy Buchungen, 5% off bei 10 fest gebuchten Stunden etc.)
  • Du mietest dich in einen Raum ein, zahlst die Miete und der Rest der Einnahmen deiner Yogaklasse geht zu 100% an dich (lohnt sich logischerweise nur, wenn man weiß, dass man den Raum voll bekommt und damit mehr verdient als auszugeben für die Raummiete)
  • Yoga auf Spendenbasis: im Sommer gibt’s oft Yoga im Park auf Spendenbasis. Das heißt, du erstellst ein Facebook Event und schreibst am besten rein, dass dein Kurs auf Spendenbasis basiert, du dich aber über einen Mindestbetrag von z.B. 8€ freuen würdest. Vorteil: keine Raummiete und es kommen meist auch mega viele Leute zum Yoga im Park. Nachteil: manche Leute geben halt auch gerne mal nur 5€ oder weniger…

 

Sag auch mal Nein

Und mein finaler Tipp – der Hand in Hand mit den Tipps geht, die ich oben schon gegeben habe – trau dich, NEIN zu sagen. Du bist ein*e gute*r Yogalehrer*in? Dann mach dir bewusst, was deine Yogastunden Wert sind und gib dich nicht für einen günstigeren Preis her. Ich habe schon häufiger Stunden abgelehnt, weil die Bezahlung einfach zu niedrig war. Und das, obwohl ich zum damaligen Zeitpunkt wirklich jeden Cent hätte gebrauchen können. Klingt bescheuert? Ganz und gar nicht: denn genau durch dieses Verhalten habe ich nicht nur für mich selbst verinnerlicht „Deine Yogastunden sind super, die sind mehr Wert!“, sondern auch die Weichen für spätere Zusammenarbeiten mit anderen, besser zahlenden Unternehmen / Studios gestellt. Ich glaube ganz fest daran, dass man auch genau das verdienen kann, was man möchte. Man muss nur einen langen Atem haben, an vielen Türen klopfen, sich selbst ständig weiterentwickeln und vor allem auch selbst davon überzeugt sein, dass man es verdient.